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Sebastian Knöpker (geb. 1975), Studium der Philosophie und Politikwissenschaften an den Universitäten in Wien, Heidelberg und Marburg. Promotion an der Gutenberg - Universität Mainz. Interessenschwerpunkte im Bereich Phänomenologie (Husserl, Michel Henry, H. Schmitz) und analytischer Philosophie des Geistes. Lehrbeauftragter des Philosophischen Seminars Mainz.


                             

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Ein Hedonist strebt nach Lust und will Unlust vermeiden. Wonach aber strebt ein „existenzieller Hedonist“? Lust und Unlust zeichnet über ihre hedonistischen Qualitäten hinaus noch etwas aus: sie besitzen das gemeinsame Merkmal, das Empfundene überhaupt erst in das Dasein zu bringen, also für den Empfindenden als Seiendes zu erschließen. Dies hat zur Folge, dass Leiden nicht in jedem Falle entbehrlich ist, weil in diesem stets das ontologisch Positive enthalten ist, welches darin positiv bestimmt ist, überhaupt Existenz zu sein. Dem erfüllten Streben nach Sein ist das Positive bereits das, was es ist, während dem Streben nach Lust nur das Sein als Lust das Positive ist. Die Differenzpaare „Lust – Unlust“ zu „Präsenz – Absenz“ kommen nun in manchen Fällen so zusammen, dass das Vermeiden von Absenz Leiden in Kauf nimmt.

Mit dieser ontologischen Überlegung wird dann in zahlreichen Einzelanalysen gezeigt, inwiefern der existenzielle Hedonismus praktische Bedeutung zu erlangen vermag. So wird u. a. die Erlebnisform der Stimmung untersucht, und zwar anhand des Übergangs von einem gegenständlichen Gegebenen in eine dauerhafte Stimmung. Sei der Gegenstand das Haus, in dem man wohnt, so kann gezeigt werden, wie ohne jede Anschauung und begriffliche Vermittlung dieses Haus seinen Bewohner durchdringt und ihn niemals verlässt, wo auch immer er sei. Diese Durchdringung von Dingen, der eigenen Vergangenheit und Zukunft etc. hat ihre Entsprechung in der so genannten Durchflüsterung des Daseins von Stimmen. Die Wirklichkeit des Gedachten und Gesprochenen wird in Analogie zu den Stimmungen im Detail aufgezeigt.

derzeitiges Projekt: Die Urteilslehre des Schweigens

Was man als Gegenstand leicht ergreifen kann, ist noch lange nicht als Erlebnis ergriffen. Denn das Im-Griff-Haben von Lebendigkeit folgt Weisen des Ergreifens, die dem Urbild vom In-die-Hand-Bekommen nicht entsprechen. Während nun die Weltbemächtigung der Menschen in Sachen des gegenständlichen Ergreifens große Fortschritte macht, sind es gerade die diesem Fortschreiten zugrunde liegenden Paradigmen des Ergreifens und Loslassens, die ein Danebengreifen am eigenen Leben  fördern.

Ziel des Projektes ist es daher, das Ergreifen im nichtgegenständlichen Sinne in seiner ontologischen Struktur wie in seinen praktischen Erscheinungsformen zu klären. Das begrifflich und anschaulich Leere als Fülle im Erleben, die „Leere als Fülle“ also, kann eine Weise des Schweigens darstellen, die auf einer Logik des Ergreifens jenseits gegenständlichen In-die-Hand-Bekommens aufbaut.

Ethische Probleme sind solche des fehlgehenden Ergreifens bzw. Loslassens. Diese Problematik des Ergreifens kann noch einmal differenziert werden in das Fehlen von Dingen oder Gelegenheiten, die zu ergreifen sind, und in die Weisen des Ergreifens selbst. Für Die Urteilslehre des Schweigens ist das Zugreifen selbst das Problem, und nicht das Fehlen von zu Ergreifendem.

Anders bestimmt, ist es das Grundproblem von Gesellschaften relativen materiellen Überflusses, das Vorhandene nicht ergreifen zu können, nicht aber ein Mangel an Ressourcen. Die fortschreitende Freisetzung des Menschen aus seiner Daseinsvorsorge, aus Arbeitsverhältnissen, sozialen Rollen führt zusammen mit einer zunehmenden Hedonisierung des Lebens zu einer Zuspitzung des Problems des Ergreifenkönnens.

Je klarer diese Problematik zutage tritt, desto stärker macht sich die Tendenz bemerkbar, ethische Probleme und solche der Lebensführung allgemein auf eine Mangel an Ressourcen zurückzuführen. Die Urteilslehre des Schweigens will dagegen zeigen, dass das Urbild des In-die-Hände-Bekommens, also das direkte und willentliche Zugreifen selbst das Problem darstellt. Schweigen - mithin das fortgesetzte Ergreifen von Leere als Fülle - soll dabei paradigmatisch für die Formen des Ergreifens, welche nicht dem Im-Griff-Bekommen im wortwörtlichen Sinn entsprechen, in seinen ontologischen Grundlagen wie auch in seinen praktischen Erscheinungsformen erläutert werden.

Das Ergreifen von Leere als Fülle im Sinne des Schweigens bringt dabei die Problematik auf den Punkt, weil Schweigen weder begrifflich noch anschaulich gegeben sein kann und in ihm nichts in der Welt hervorgebracht wird. Somit gibt es im Eigentlichen nichts zu ergreifen und herzustellen, aber dennoch wird im Schweigen eine Fülle erlebt, die einen Wert an sich darstellen kann, ohne primitiven Hedonismen subsummiert werden zu können.

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© Sebastian Knöpker 2008